
Bernd Kistenmacher - Elektronische Musik mit Roland-Synthesizern
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Wie ist er Dir in den letzten 8 Jahren abseits vom Musikzirkus ergangen und wieso hast Du 2001 die Musikszene verlassen? |
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Nach einigen unerfreulichen Erlebnissen, die sowohl mein damaliges CD-Label MIRecords, als auch meine Aktivitäten als Solo-Künstler betrafen, war es an der Zeit, die Handbremse zu ziehen. Ich habe mich dann ins Privatleben zurückgezogen, denn dort gab es auch ein paar „Baustellen", die es zu bearbeiten galt. Z. B. bin ich noch mal für ein paar Jahre zur Uni gegangen. So etwas halt. Um ehrlich zu sein, war ich eigentlich schon fast ausgestiegen. Das glaubte ich damals zumindest. Allerdings war es wohl rückblickend eher ein Prüfstein, unter den ich mich gestellt hatte; galt es doch herauszufinden, ob ich wirklich bereit war, die Musik vollständig aufzugeben. Heute weiß ich: Nein, ich war dazu nicht bereit. Dennoch hat es einige Jahre gedauert, bis mir das klar geworden ist. Irgendwann fing ich aber wieder an Musik zu „denken". Das habe ich nicht gesteuert oder provoziert. Es passierte einfach. |
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Gab es bestimmte gute Gründe für ein Comeback und wie hast Du dich darauf vorbereitet? |
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Außer den genannten Gründen, gab es eigentlich nur einen entscheidenden Grund. Ich wollte wissen, ob ich es noch bringe. Ganz simpel. Der Zeitpunkt war aber nicht gesteuert. Er basierte auf dem Treffen mit drei alten Freunden aus Frankreich, die ein bekanntes Fanzine für elektronische Musik Cosmiccagibi (www.cosmiccagibi.org) dort betreiben. Sie besuchten mich im November 2008 am Rande eines Konzertes von Klaus Schulze in Berlin. Allerdings wollten sie mich ganz bewusst treffen, denn irgendwann kam die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, wieder auf die Bühne zurückzukehren. Das war der Moment, wo ich eine Entscheidung zu treffen hatte. Vorbereitet im Sinne von „jetzt kann's losgehen" war ich nicht, aber auf einmal gab es diese Motivation, die mich nach vorne gebracht hat. Es gab ein Ziel. Eigentlich sogar zwei Ziele, denn so ziemlich zur gleichen Zeit wurde klar, dass ich auch wieder ein Album produzieren sollte und wollte. |
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Wie haben sich Deiner Meinung nach die EM-Szene und auch der ganze Musikmarkt in den letzten 10 Jahren entwickelt? |
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Über viele Jahre hinweg hatte ich die EM-Szene überhaupt nicht verfolgt. Wie gesagt; ich war fast völlig raus aus dem Thema. Aber seit gut zwei Jahren verfolge ich das schon wieder mehr. Allein durch MySpace und Youtube kann man sich schnell ein Bild machen, was so passiert. Auch durfte ich im Februar dieses Jahres anlässlich der Eröffnungsveranstaltung zum „Schallwelle - Preis für Elektronische Musik in Deutschland" (www.schallwelle-preis.de) wieder einige gute alte Bekannte, wie auch viele neue Künstlerkollegen treffen und kennen lernen. Insofern empfinde ich die EM-Szene wieder als sehr vital. Mehr noch, als vor wenigen Jahren. Ich denke auch, dass die Veränderungen am Musikmarkt heute eher als Herausforderung, denn als Problem verstanden werden. Aus neuen Möglichkeiten ergeben sich auch neue Chancen. |
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Wundert es dich, dass es heutzutage immer noch Nachwuchkünstler gibt, die den Stil der Berliner Schule auf Ihre Art neu interpretieren. |
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Wundert es mich, dass auch heute noch Musik aus dem Mittelalter auf Originalinstrumenten gespielt wird? Nein. Ich respektiere das. Grundsätzlich glaube ich, das die „Geschichte" der Berliner Schule Musik noch nicht ganz zu Ende erzählt worden ist, also das man dieser musikalischen Spielart durchaus noch neue Aspekte abringen könnte. Einfach deshalb, weil die meiste Musik, die wir hören auf Mantras beruht. Und gerade auch die Berliner Schule Elektronik ist Dank des massiven Einsatzes von Sequenzern eigentlich „Mantra-Musik". Nur wenn so ein akustisches Mantra zu ewig gespielt wird, wird es langweilig. Aber an dieser Stelle kann man ja Ideen entwickeln, das zu ändern und die Strukturen aufzubrechen. |
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Wie bewertest Du rückblickend Deinen Erfolg in den 80er bis 90er Jahren? |
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Nun ich war auch einer dieser Berliner Schule Junkies. Klaus Schulze hatte mich mit „Moondawn" und „Mirage" völlig eingenommen. Das war die Musik, die ich liebte (und mal ehrlich, auch noch heute schätze). Als in der zweiten Hälfte der Siebziger (des vergangenen Jahrhunderts) in England die Punk-Musik aufkam, änderte sich die Musikwelt radikal. Die Zeit der Supergroups und der endlosen Gitarrensoli war vorbei. Und auch Klaus Schulze und Tangerine Dream machten auf einmal nicht mehr die Musik, die ich hören wollte. Also beschloss ich diese selbst zu machen und fing Anfang der Achtziger an, mir eigene Synthesizer zuzulegen und damit zu arbeiten. Wie gesagt, immer das Berliner Schule Ding im Kopf. Als ich dann 1986 meine erste LP veröffentlichte hatte, schrieb mir ein Australischer Fan „das ist die beste Schulze-Platte, die Schulze niemals gemacht hat". Darüber hatte ich mich sehr gefreut, denn ich fühlte mich in meinem Tun bestätigt; wollte ich diese Musik doch irgendwie „retten". Dennoch habe ich immer mehr eigene Facetten in diese Musik gebracht und so mancher Fan bestätigt, dass er Kistenmacher aus hundert anderen heraushören würde. Insofern hatte ich meinen eigenen Stil gefunden. Die „Pause", die hinter mir liegt hat mir aber geholfen, zu der Vergangenheit Abstand zu bekommen. Und ich habe heute das Gefühl, als ob bei mir ein kreativer Knoten geplatzt ist. So viele neue Ideen sind auf einmal da ... |
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Deine Musik ist damals eher durch einen Zufall in der Kultsendung "Schwingungen" gelaufen. War das Schicksal, Vorsehung oder einfach nur Glück? |
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Über Winfrid Trenkler und seine Sendung hatte ich bereits 1985 gehört bzw. auch gelesen. Das holländische KLEM-Heft hatte öfters darüber berichtet, weil der WDR auch in Holland gehört werden konnte und dort viele Schulze und TD-Fans wohnten. Also sein Name war mir bekannt. Allerdings produzierte ich zu dieser Zeit ausschließlich Musikkassetten und hatte gerade die ersten zwei Konzerte meines Lebens hinter mich gebracht. Dann war da die Internationale Funkausstellung in Berlin. Es muss 1986 oder so gewesen sein. Da schlenderte ich durch eine Messehalle und kam an einem Stand von Scotch 3M vorbei. Und wer machte da Produktwerbung? Winfrid Trenkler. Ich konnte es gar nicht glauben, habe dann aber meinen ganzen Mut zusammengefasst und ihn angesprochen. Natürlich war er sehr nett und offen. Ich schickte ihm meine Aufnahmen und mein erstes Album zu und wurde in seiner Sendung Ende 1986 zum „Newcomer des Jahres" gewählt. So fing das alles an. Seine Sendung hat mich in Nordrhein-Westfalen und Benelux schlagartig bekannt gemacht. Viele wären ohne ihn gar nichts geworden. |
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Zählen Erfahrungen, die Du bereits vor über 20 Jahren im Musikgeschäft gemacht hast, heute noch? |
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Sicherlich wünsche ich mir, das Wissen, das ich heute habe auch schon vor 20 Jahren gehabt zu haben. Dann wäre mir mancher Fehler nicht unterlaufen und ich hätte mir meine damaligen „Freunde und Partner" sicherlich genauer angeschaut. Bin ich heute schlauer? Ich weiß es nicht. Macht man nicht mehr die alten Fehler, ist man daraus sicherlich schlauer geworden. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht neue Fehler macht. Allerdings habe ich aus den letzten 20 Jahren sicherlich die Erkenntnis gezogen, dass es wichtig ist, sich ausschließlich auf sich zu konzentrieren und sich auf seinen Instinkt zu verlassen. Ich würde mich heute wohl nicht mehr so leicht manipulieren lassen. Auch bin ich vorsichtiger geworden und vielleicht auch nicht mehr bei jeder Kleinigkeit so euphorisch, wie ich es früher gewesen bin. Das kann aber auch am Alter liegen und nicht nur an meinen Erfahrungen. |
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Hast du in den letzten Jahren neue EM-Alben gehört, die Dich inspiriert haben? |
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Nein. Allerdings höre ich ab und zu gerne Vangelis. Doch der ist schon lange kein Elektronikmusiker mehr. Er ist ein Musiker. |
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In Deiner Equipment Liste sehe ich ausschließlich echte Hardware. Ist die VST-Generation an dir vorbei gewandert? |
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Sollte ich mich schämen? Tue ich aber nicht. Die Antwort ist einfach. Ich konnte dieser Art des Produzierens, die sicherlich ihre Vorteile hat, bislang noch keinen erkennbaren Nutzen abringen. Es macht mir einfach keine Freude, so zu arbeiten und es hat aus meiner Sicht auch nichts mit „Musik machen" zu tun. Von dem ganzen Mausgeklicke kriege ich nur einen Tennisarm und Schulterschmerzen. Wie gesagt, ich kritisiere nicht grundsätzlich die Existenz dieser Methode, aber für mich ist das nichts. Und so lange ich noch einen Original-Moog spielen und aufnehmen kann, so lange werde ich das auch tun. |
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Worin liegt, Deiner Erfahrung nach, der Vorteil von Hardware Synthesizern und Sequenzern? |
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Hardware hat den einfachen, aber entscheidenden Vorteil des direkten Zugriffs. Wenn es gute Hardware im Sinne von Ergonomie ist. Anschalten und losspielen. Alle Regler und Schalter am richtigen Platz. Die Maschine muss sich quasi von selbst erklären. Ich meine, eines ist klar. So selbst erklären sich auch moderne Workstations nicht. Dennoch ist der Zugang auf interne „Software" (hier taucht sie doch auf) über intelligent gestaltete Benutzeroberflächen viel einfacher und spontaner. |
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Sind dabei Geräte der neusten Generation inspirativer oder grundsätzlich besser als echtes Vintage-Gear? |
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Nun, Vintage Gear hat den Nachteil das es evtl. nicht Stimmstabil ist. Der Wartungsaufwand ist beträchtlich. Solche Geräte können launenhaft wie eine Diva sein. Aber auch moderne Geräte können salopp gesagt rumzicken. Gerade meine Fantom Workstation war 2 Tage vor meinem Konzert der Meinung ein ganzes Projekt wegen eines zu langen Samples nicht mehr zu laden. Da ging plötzlich nichts mehr. So etwas ist gut für Panik! Gott sei Dank gab es Backups ... |
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Eine etwas andere Frage zwischendurch: Wie bist Du überhaupt zur EM gekommen? |
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Durch meine Cousine. Anfang der siebziger Jahre war ich 11 Jahre alt. Sie war damals so 15 oder 16 und natürlich voll der Hippie. Damals hat mich das sehr beeindruckt und beeinflusst. Sie spielte mir Platten von Pink Floyd und den Silver Apples vor. Und das war ein Sound, der mich vom Fleck weg anmachte. Irgendwie stand ich schon immer auf „andere" Musik, als in den Charts, Verzeihung Hitparaden waren. Da gab es aber nur die Temptations („Papa was a rolling stone") oder Iron Butterfly („In a gadda da vida"), die mir gefallen hatten. Das war schon abgefahrener, als der Mainstream. Allein die Länge der Stücke oder der Einsatz von Echos berauschte mich auf so eine Art. Naja und in den frühen Siebzigern kamen dann Kraftwerk („Ruck Zuck"), Aphrodite's Child („666") und Tangerine Dream (Phaedra") dazu. All diese hypnotische Musik, auf die ich stundenlang abfahren konnte. Das schöne an dieser Zeit war ja, das damals diese ganze Musik im Radio lief. Einfach deshalb, weil diese Musik neu und damit Avantgarde war und weil sie streckenweise auch als Kunst verstanden worden ist. Leider hat sich heutzutage der öffentlich-rechtliche Rundfunk fast vollständig von diesem Kulturauftrag verabschiedet. Wahrscheinlich deshalb, weil Sender, wie auch Plattenfirmen nur noch von Buchhaltern geleitet werden. |
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Ist es schwer sich als Musiker an die neuen Gegebenheiten des Marktes (Downloads, Internet) anzupassen? |
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Nun ich bin wahrscheinlich schon zu alt um alles toll zu finden, was so da draußen passiert. Dennoch waren gerade die Web2.0-Themen für mich eine große Hilfe. Dem „Downloaden", so wie es bislang praktiziert worden ist, habe ich eigentlich immer kritisch gegenüber gestanden. Einfach aus dem Grund, weil aus der weit verbreiteten geringen Wertschätzung der Leistung anderer ein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist. Ich weiß durchaus aus eigener Erfahrung, dass mir die illegale Verbreitung von Content - wie es so schön heißt - realen, finanziellen Schaden gebracht hatte. Auch ein Grund, weshalb ich mein Label dann beerdigt habe. Letztlich hatte ich überhaupt keine Möglichkeiten, mich dagegen zu wehren und die GEMA und alle anderen Vertreter von Urheberrechten waren damals noch gar nicht darauf vorbereitet. Heute sieht das alles etwas anders aus, weil man sich mit entsprechenden Plattformen, für die man Geld entrichten muss, auch und gerade im Sinne des Urhebers aufgestellt hat. Nur sollte man nicht glauben, dass damit alle Probleme gelöst sind. Wer illegal anbieten will, wird immer einen Weg finden, das auch zu tun. Allerdings würde das alles in die Lehre laufen, wenn es niemand geben würde, der solche Angebote ohne nachzudenken annimmt. Ich weiß, es ist ein frommer Wunsch. |
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Ich habe gesehen, dass Du neben Deinem Blog auch bei Facebook, Myspace und Co. vertreten bist. Wie beurteilst Du diese Plattformen? |
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Ich würde diese Themen nicht überbewerten, nehme sie aber dennoch ernst. Es ist positiv, dass man sich recht spontan mit anderen austauschen kann. Wenn ich noch daran denke, dass ich früher jeden Brief eines Fans irgendwie beantwortet habe. Noch mit Schreibmaschine getippt. Aber das ist Vergangenheit. Ich finde diese Plattformen im Moment wesentlich hilfreicher, was Verbreitung, Austausch und Kommunikation angeht. |
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Sind die vielfältigen Vermarktungsmöglichkeiten über das Internet positiv für heutige Musikschaffende? |
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Das weiß ich noch nicht. Ich habe diesbezüglich zu wenige Erfahrungen. Vielleicht stehen wir in 10 Jahren hier und sagen „Was für ein Desaster"? Vielleicht stecken wir uns auch Zigarren an? Fest steht für mich, dass man um diese Mittel nicht mehr herumkommt. Die Globalisierung ist überall angekommen und man kommt meiner Ansicht nach nicht darum herum auch „global" zu denken. Das Internet kann Freund wie Feind sein. Es hängt auch von eigenen Strategien ab, wie das Spiel läuft. Ignorieren kann man es nicht oder man nabelt sich von allem komplett ab. |
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Du sprachst davon, dass Du bereits in den 80ern ein eigenes Musiklabel gegründet hattest. Könntest Du Dir das heutzutage auch noch vorstellen? |
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Auf keinen Fall. Ich bin so froh, dass ich das hinter mir habe. Irgendwann ist mir die Sache zu groß und die Umsätze zu klein geworden. Und dann war da der Moment, wo mir klar geworden ist, dass ich von meinem Label beherrscht worden bin und nicht umgekehrt. Das war, als ich überhaupt keine Musik mehr gemacht habe. |
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Ist es nicht sehr konservativ heutzutage noch auf eine DAW zu verzichten? |
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ProTools kann ich mir nicht leisten. Also investiere ich erstmal in das, was mich als Musiker weiterbringt und überlasse das Mastering anderen. Mein Recording läuft im Wesentlichen im Studio über einen 24 Spur Tascam Recorder (Digital) in Verbindung mit dem Roland V-Mixing System. Die Wavefiles des Tascam kann ich auch im PC über geeignete Software (MX-View) auslesen und bearbeiten. Also so ganz DAW-Unlike ist das doch nicht, oder? Das Sequencing mache ich mit der Fantom-G8 Workstation von Roland. Da ist ein mächtiges Sequenzer mit tollen Bearbeitungsmöglichkeiten drin. Das reicht mir. Wie viele Maschinen braucht man um toll zu klingen? |
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Du schreibst seit Jahren auch als Autor für andere Musikmagazine. Wie ist es dazu gekommen und macht Dir diese Arbeit Spaß? |
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In erster Linie mache ich es, weil es mir Spaß macht. Täte es das nicht, würde ich sofort aussteigen. Außerdem hat das Schreiben von Erfahrungsberichten (ich mag diesen Begriff lieber, als Testberichte, weil Dein Beitrag so eine persönliche, individuelle Note bekommt) einen entscheidenden Vorteil: Willst Du nicht als jemand entlarvt werden, der Quark schreibt oder dir vorwerfen lassen, du würdest nur die Bedienungsanleitung kopieren, musst Du Dich mit der Maschine Deiner Wahl auseinandersetzen. Ob Du willst oder nicht. Nachher weißt Du mehr, als vorher. Also schlage ich sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich lerne etwas und habe Spaß dabei. Darüber hinaus hat mir das Schreiben von Texten schon immer Spaß gemacht. |
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Dein aktuelles Album, klingt insgesamt sehr abwechslungsreich. Entspricht dies Deiner Grundstimmung oder war es ein sich entwickelndes Zufallsprodukt? |
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Ich wollte unbedingt, dass mein Album abwechslungsreich und nicht langweilig klingt. Das wäre einem Comeback nicht gerecht geworden. Ich glaube, der größte Horror wäre, wenn man „Celestial Movements" wieder als Berliner Schule bezeichnen würde. Dann hätte ich mein persönliches Ziel nicht erreicht. Aber man weiß ja nie vorher, wie die Reaktionen sein werden. |
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Würdest Du den Sound auf Deinem Album als aktuell, angestaubt oder als eher bewusst postmodern beschreiben? |
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Die Frage musst Du mir beantworten. Ehrlich. Ich habe da große Schwierigkeiten einer Sicht auf mich von außen. Ich wollte nur, dass die Musik sehr sauber und auf ihre Art „schön" klingt. Ob mir das gelungen ist, werden wir noch sehen. |
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"Celestial Movements" wurde bereits in Frühjahr 2009 angekündigt. Wieso hat es bis zum endgültigen Releasedatum so lange gedauert? |
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Es ist richtig. Ursprünglich war die Veröffentlichung für Mai 2009 geplant. Und wahrscheinlich haben einige schon nicht mehr daran geglaubt, dass das Album doch noch Realität werden würde. Tatsache ist aber, dass ich im Mai mit dem Ergebnis vollkommen unzufrieden gewesen bin. Das hätte ich niemand zumuten wollen und ich hätte es mir niemals verziehen, wenn ich eine halbherzige Lösung als etwas ganz tolles verkauft hätte. |
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Was würdest Du Kritikern entgegensetzen, die behaupten, dass Spacemusic im 21. Jahrhundert kalter Kaffe ist? |
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Grundsätzlich denke ich, dass ich Kritikern gar nichts entgegnen kann. Das würde mich ja nur in die Ecke desjenigen Drängen, der sich für sein Tun rechtfertigt. Eine ziemlich schwache Position, wie ich finde. Außerdem mache ich keine Spacemusic. Jedenfalls ausschließlich. Das engt mich künstlerisch nur ein und ist eine neue Schublade, in die man schnell reingestopft wird und aus der man dann nicht mehr rauskommt. Allerdings kann ich die Denkweise der Leute nicht beeinflussen. Wenn jemand meint, ich mache Spacemusic, dann muss ich das akzeptieren, weil der jenige das ja offensichtlich so sieht. Ich kann nur durch meine Arbeit überzeugen. Was daraus gemacht wird, kann ich nicht steuern. |
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Was unterscheidet Dein aktuelles Album von Deinen über 20 bisherigen Alben? |
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Nun in Ergänzung zu der vorangegangenen Frage will ich sagen, das „Celestial Movements" durchaus einen „kosmischen" Bezug hat, denn ich habe mich für meine Musik durch die einzigartige Konstruktion des Horizont-Observatoriums auf der Halde Hoheward (Herten) im Ruhrgebiet inspirieren lassen. Man muss einfach da oben gewesen sein um zu verstehen, was das für ein phantastischer Ort ist. Ende 2008 hatte ich diese Konstruktion durch Zufall im WDR-Fernsehen gesehen und war sofort hin- und weg. Das Gerät sieht gigantisch aus und obwohl es sich dabei natürlich um eine hochwissenschaftliche Einrichtung handelt, erinnert es mich doch auch an die „Maschine" aus dem Science Fiction Film „Contact". Insider werden jetzt Bescheid wissen. Es ist eben ein sehr inspirierendes Bild. |
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Du hast vor ein paar Wochen ein erstes Konzert in Paris gegeben. Wie ist es dazu gekommen? |
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Wie ich bereits erzählte, habe ich ja mein „Comeback" meinen Freunden aus Frankreich zu verdanken. Diese hatten mich zu meiner Rückkehr auf die Bühne bewegt. Im Folgenden stellte sich dann aber auch für Olivier Bégué und seine Freunde heraus, dass die Organisation eines Konzertes keine so leichte Sache ist. Ursprünglich sollte das Konzert in Bordeaux und auch viel früher stattfinden. Aus X-Gründen ging das aber leider nicht. Dann kam die Idee mit Paris und „La Boule Noir" als Veranstaltungsort auf. Einfach deshalb, weil man sich mehr Zulauf in dieser Metropole erwartete. Klaus Schulze hatte exakt 4 Wochen vor mir im selben Gebäude (La Cigalle) gespielt. Also Klaus Schulze im großen Saal und Bernd Kistenmacher im Club. Das Hotel war auch identisch und der Veranstaltungsort lag unterhalb des berühmten Künstlerviertels Montmartre. Das passte alles irgendwie toll zusammen und hatte viel Charme. |
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Wie waren die Reaktionen darauf? |
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Nun ich will mich nicht selbst loben, aber Standing Ovations sprechen doch für sich, oder? Es war wirklich ein toller Abend und auch die Dinge, die am Rande passierten waren sehr bewegend und spannend. So wurde zwei Stunden vor dem Konzert ein Video von Julien Perrin für seine „Single-Collection" gedreht, in dem ich mich kurz vorstellen und über meine musikalischen Wurzeln reden durfte. Das Video steht u. a. auch auf meiner Youtube-Seite (www.youtube.com/user/berndkistenmacher). Sehr gefreut hat mich, dass das ganze Konzert von dem französischen Filmer James L. Frachon aufgenommen worden ist. Das ist der Mann, der auch für Klaus Schulze und Lisa Gerrad die Rheingold-DVD aufgenommen und produziert hat. Da fühle ich mich wirklich geehrt. Ausschnitte davon werden ebenfalls bald auf Youtube zu sehen sein. |
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Würdest Du dich eher als Studio- oder Live- Musiker bezeichnen? |
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Ich sehe mich eigentlich auch im Studio eher als Live-Musiker. Einfach deshalb, weil ich soviel wie möglich eines ersten spontanen Moments einzufangen. Sicherlich gibt es dann viel Nacharbeit; Editing und Overdubs und so weiter. Aber die Idee, die mir kommt, möchte ich so authentisch und schnell wie möglich einfangen. |
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Dein Stageplan zeugt von alten Zeiten. Wäre ein Notebook plus Keybaord auf der Bühne nicht auch was für Dich? |
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Findest Du? Also ich finde, das da ganz schön viel modernes Zeugs auf der Bühne steht. |
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Du hast in den 80ern gemeinsame Konzerte mit Harald Grosskopf gegeben. Siehst Du Ihn heute noch und dürfen Fans auf ein Revival hoffen? |
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Weshalb nicht? Ich meine, wenn der richtige Moment da ist, könnte ich mir so etwas schon gut vorstellen. Harald ist ein prima Typ und ein sehr guter Schlagzeugspieler. Allerdings möchte ich ihn gerne mal wieder an einer richtigen „Schiessbude" erleben ... |
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Welche Pläne hast Du derzeit? Wie geht´s weiter? |
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Neben weiteren Tests für das Synthesizer-Magazin beschäftige ich mich zurzeit mit meinen Synthesizern. Ich habe da noch nicht alle Ecken ausgelotet und es gibt noch viel zu entdecken und ausprobieren. |
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Vielen Dank für das Gespräch. |
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